Frankreich und die Schule

Samstag, 19. Mai 2012

Spiegel Online titelte heute: “Sozialisten in Frankreich planen 5-Tage-Woche für Schüler – Minister will Schülern freien Tag schenken”. Der spendable Politiker heißt Vincent Peillon, ist selbst Lehrer und wurde diese Woche von François Hollande zum französischen Bildungsminister ernannt.

Eine 5-Tage-Woche klingt zunächst typisch deutsch, ist sie aber nicht. Zur französischen Schulwoche gehört nämlich überlicherweise der Samstag dazu. Der normale Schultag eines Achtklässlers besteht aus vier langen Tagen mit Unterricht von 8 bis 17 Uhr, das entspricht 7 Unterrichtsstunden à 55 Minuten, und einem kurzen Tag, üblicherweise Mittwoch oder Samstag, mit Unterricht von 8 bis 12 Uhr, das entspricht 4 Stunden Unterricht. Darin enthalten sind allerdings auch mehrere Stunden sog. permanence, d.h. freies Arbeiten unter Aufsicht eines pion (das ist meist ein Student, der sich so ein paar Euros verdient, also nicht unbedingt eine pädagogische Fachkraft).

Aber auch an den Grundschulen, den écoles primaires, ist Nachmittagsunterricht in Frankreich nicht ungewöhnlich. Seit hier die 4-Tage-Woche gilt (seit 2008), haben französische Grundschüler montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr Unterricht, mit zwei Stunden Mittagspause. Davor hatten sie jeden Samstag einen halben Tag Unterricht. An dem Nachmittagsunterricht setzt Peillon an. Denn lernpsychologisch ist ein geballter Unterricht nicht gut, gleichmäßig über die Woche verteilter Unterricht wäre besser. Daher setzt er sich für die 5-Tage-Woche ein. Doch er will es den Schulen überlassen, ob dafür der Mittwoch oder der Samstag Vormittag genutzt wird. Überzeugend soll auch das Argument sein, dass französische Schüler nur an 144 Tagen im Jahr Unterricht haben, alle anderen Länder mindestens 40 Tage mehr.

Nun ja, das zweite Argument folgt aus dem ersten: bei 144 Unterrichtstagen im Jahr haben die Schüler 144:4=36 Wochen Unterricht. Ein deutscher Schüler kommt bei 6 Wochen Sommer-, je 2 Wochen Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsferien und diversen Feiertagen auf etwa 13 Wochen Ferien und damit auf 39 Wochen Unterrichtswochen. Damit ist kein allzu großer Unterschied erkennbar. Achja, Pieillon möchte zusätzlich noch zwei Wochen Sommerferien streichen, dadurch hätte ein französischer Schüler 38 Wochen Unterricht. Folglich hat ein französischer Schüler gleich viel Unterricht, nur an weniger Tagen.

Doch viele Eltern sind mit der 5-Tage-Woche nicht einverstanden. In den letzten Jahren konnten sie die Wochenenden ungestört mit ihren Kindern verbringen. Der Mittwoch konnte für Hobbys genutzt werden. Auch Scheidungskinder profitierten von dem freien Tag, da sie dafür das Wochenende für das andere Elternteil zur Verfügung hatten. Und wenn die Grundschüler etwas früher Schluss haben, wer betreut sie dann, bis die Eltern von der Arbeit zurückkommen?

Von der anderen Seite betrachtet, welcher deutsche Grundschüler könnte sich vorstellen, jeden Tag bis 16.30 Uhr in der Schule zu bleiben, um danach noch Hausaufgaben zu machen, nur um einen freien Tag in der Woche zu haben? Und würden deutsche Lehrer dann den Mittwoch als Fortbildungs- und Konferenztag nutzen?


Tests des Auswärtigen Amts

Mittwoch, 28. März 2012

Das Auswärtige Amt bietet zur Vorbereitung auf die Bewerbung auf einen Beruf im Auswärtigen Dienst einige Tests aus früheren Auswahlverfahren an. Da kann man seine Kenntnisse zu Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch) testen, sein Allgemeinwissen überprüfen und sein Wissen über politische und rechtliche Kenntnisse bewerten lassen.

Die Sprachentests bestehen aus Lückentexten zum Vokabular und zur Grammatik. Beispielsweise geht es in Französisch um Fragewörter, Präpositionen, Konjugation und Pronomen.

Für den mittleren Dienst: (nur Englisch; mit Leseverstehen)

Für den gehobenen Dienst: (tw. mit Leseverstehen und Übersetzung)

Für den höheren Dienst: (tw. mit Übersetzung)

Für den höheren Dienst müssen auch Fachprüfungen in den Bereichen Allgemeinwissen, Völker-/Europa-/Staatsrecht, Geschichte und Politik sowie Wirtschaft abgelegt werden. Ein Lösungsbogen befindet sich ebenfalls auf der Seite. Zu den Sprachtests fehlen leider die Lösungen.

Ich finde die Aufgaben nicht besonders leicht für Schüler. Zu den Fachprüfungen würde ich daher die Schüler mit Hilfe des Internets arbeiten lassen, bei den Sprachprüfungen auch mit einem Wörterbuch, damit sie die Tests als Heraus- und nicht als Überforderung sehen.


Louis XIV, Molière, Lully

Sonntag, 4. März 2012

Welche französischen Musikstücke sollte man kennen? 1. Les Champs-Elysées, 2. La Marseillaise, 3. Marche pour la Cérémonie des Turcs. Warum den Marsch? Er verknüpft drei Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts mit einer Geschichte:

Louis XIV empfing eines Tages einen türkischen Gesandten. Diesem bot er alles Spektakuläre, das teuerste Essen, die prachtvollsten Schmuckstücke und die zuvorkommendste Höflichkeit an, die er als absolutistischer Monarch bringen konnte. Doch der türkische Gesandte schien wenig beeindruckt zu sein. Dies erzürnte den Sonnenkönig sehr – wer wagte es da bloß, dem größten aller Herrscher so wenig Achtung entgegenzubringen? Es stellte sich (allerdings erst nach einiger Zeit) zufällig heraus, dass der Gesandte nicht wie erwartet der türkische Botschafter war, sondern nur ein niederer Mann, der um die Erlassung von Schulden bitten wollte. Um der Schmach, einem Mann von niederem Stand die Ehren eines Botschafters entgegengebracht zu haben, zu entkommen, bat er Jean-Baptiste Molière (der zu der Zeit noch in der Gunst des Königs stand), ein Stück zu schreiben, in dem sich über den Türken lustig gemacht wird. So entstand das Stück “Le bourgeois Gentilhomme”, in dem ein Mann sich für einen hohen Adligen hält, über den sich aber alle anderen lustig machen. Die Musik für das Stück schrieb Jean-Baptiste Lully (man kann Le bourgeois Gentilhomme als eine Art Musical des 17. Jahrhunderts ansehen). Insbesondere der Marche pour la Cérémonie des Turcs ist eine Veralberung des Türkengeschichte. Einen guten Eindruck dieser Szene bietet der Film “Le Roi danse” aus dem Jahre 2000.

Dieser Marsch diente mir einer kurzen Einführung in Molières Leben, um meinen Französischkurs auf ein Marionettenspiel des Théâtre Anima vorzubereiten, in dem verschiedene Stück von Molière zu einem neuen zusammengesetzt wurden. (Obligatorisch darin: der geizige Stiefvater, die versuchte Zwangsheirat des eigenen Kindes, die versuchte eigene Heirat mit einem jungen Mädchen und das gute Ende, dass die wahre Liebe siegt.) Die Marionetten (eigentlich Halbkörpermasken) wurden dabei nur von einer einzigen Frau gespielt, die teilweise Französisch, teilweise deutsch sprach, jede Marionette mit einer anderen Stimme. Jede Rolle war so stark übertrieben, dass man einfach lachen musste! Wahnsinn!


Sarkozy und die Lehrer

Donnerstag, 1. März 2012

Sarkozy geht im Wahlkampf um die Präsidentschaft gegen die Lehrer los. Er schlägt vor, dass Lehrer, die freiwillig 26 statt 18 Stunden arbeiten unterrichten, 25% mehr Gehalt bekommen sollen. Da könnte ja der deutsche Lehrer sagen, dass es endlich Gerechtigkeit in der Unterichtsverteilung gibt, der ja auch 23 und mehr Stunden unterrichtet.

Die Sache hat aber zwei Haken:

  1. 8 Stunden mehr unterrichten entspricht einer Erhöhung der Unterrichtsstundenzahl um 44,4%, also deutlich über der Gehaltserhöhung.
  2. Eine französische Unterrichtsstunde entspricht 55 Minuten, eine deutsche nur 45 Minuten. Ein französischer Lehrer mit einer Unterrichtsverpflichtung von 18 Stunden unterrichtet also 990 Minuten, ein deutscher Gymnasiallehrer in Niedersachsen bei einer Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Stunden 1057,5 Minuten, d.h. gerade mal eine Stunde mehr. Die Erhöhung um 8 französische Unterrichtsstunden entspricht übrigens einer Erhöhung um fast 10 deutsche Unterrichtsstunden.

Traurig, wenn das Bild vom faulen Lehrer, der nur ein bisschen unterrichtet, in den Wahlkampf hineingetragen wird.


Das wärs doch!

Sonntag, 6. November 2011

Nach den Meldungen über den geplanten (und unverschämten) Einsatz eines umgangssprachlich genannten “Schultrojaners” wird bei twitter über neue Schulbücher diskutiert, die frei verfügbar und unter CC-Lizenz stehen und vor allem unabhängig von den Verlagen sind. Hier folgen nun meine stichpunkartigen Gedanken dazu, wie ein richtig gutes digitales (Französisch-)Schulbuch aussehen könnte.

Ein paar Voraussetzungen:
V1. Die Seh-/Lese-/Hör-/Hörsehverstehenskompetenzen werden gefördert.
V2. Das Buch muss aktuell gehalten werden.
V3. Das Buch ist von Lehrern und Schülern erweiterbar.
V4. Das Buch ist für alle Betriebssysteme verfügbar.
V5. Das Buch ermöglicht Kontakte in frankophone Länder.

Der Aufbau des Buches:
Aus (V1) folgt zunächst, dass das Buch vollständig ist. Das heißt, dass Lesetexte, Aufgaben, Zusatzmaterialien, Hör-/Filmversion des Lesetextes, Hörverstehensaufgaben, Hörsehverstehensaufgaben, Diktattexte, Vokabelverzeichnis, Konjugationstrainer etc. in einer einzigen App aufzufinden sind. Damit hat ist das gesamte Material jederzeit zugänglich und kann bei Bedarf vor Ort eingesetzt werden.

Alle Lektionen sind modular, sie bauen also nicht zwingend aufeinander auf. Texte sind in mehreren Schwierigkeitsstufen vorhanden (nach Länge, Anzahl der neuen Vokabeln etc. unterschieden), so dass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene sich an einem Text üben können. In jedem Text ist jedes Wort als Vokabel anklickbar und kann auf Wunsch in die persönliche Vokabelliste übernommen werden. Auf diese Weise können auch vergessene Vokabeln wieder einen Weg in die Lernkartei finden.

Vokabeln sind demnach nicht mehr an bestimmte Texte gebunden, die für die Jugendlichen kaum realistisch sind. (Mengenvokabeln werden in einem Text verpackt, der davon handelt, dass Jugendliche auf den Markt gehen… gibt es in Frankreich etwa keine Supermärkte?) Thematischer Wortschatz kann auch in einfachen Dialogübungen eingeführt werden (z.B. Haustiere: Magst du Hunde/Katzen/Hamster/…? Ja/Nein,…)

Aus der Fülle an Übungen können Schüler und Lehrer die nötigen Aufgaben auswählen, je nachdem, was gefördert weren soll. Es entstehen so individuelle Lernpläne, deren erreichen nicht durch Klassenarbeiten, sondern durch Lerntagebücher, individuelle Lernkontrollen und Portfolios überprüft wird.

(V2) gewährleistet die Aktualität der Texte, des Wortschatzes, der Filmclips und der Tonaufnahmen. Ein “Walkman” ist für einen 14-Jährigen ein Fremdwort, unter “mp3″ geht gar nichts. Durch die digitale Vorlage können die Texte schnell geändert werden. Ebenso können Währungsumstellungen übernommen oder der Name eines neuen Regierungsoberhauptes übertragen werden. Den Jugendlichen können so auch Einblicke in die wirkliche Jugendsprache des anderen Landes gewährt werden, und das nicht erst, wenn ein Prüfungsdurchlauf von 4 Jahren im Verlag durchgeführt wurde.

Aufgrund von (V3) kann das Schulbuch auch den Interessen der Schüler und Lehrer (ja, auch uns!) angepasst werden: Habe ich viele Sportler in der Klasse oder hängen die meisten eher an der X-Box rum? Wer war schon mal wo in Frankreich oder einem anderen frankophonen Land? Hat die Schule Kontakte nach Frankreich? Wie kann sich das im Schulbuch wiederfinden?

In (V4) schwingt die technische Offenheit mit. Die Schulbuchverlage gehen davon aus, dass Windows als Betriebssystem installiert ist. Viele Lehrer und Schüler arbeiten aber auch mit Macs, d.h. iOS, manche auch mit Linux/Ubuntu/etc. Auch die Verfügbarkeit auf iPod/iPad oder Smartphones sollte so gewährleistet sein.

In Schulbüchern erfährt man etwas über Frankreich, wenn man bestimmte Internetseiten besucht oder an einem Schüleraustausch oder an Ferienprpjekten teilnimmt. Was mir besonders in den aktuellen Französischlehrwerken fehlt, sind Hinweise zu Frankreichkontakten von Deutschland aus, sei es über E-Mail-Dienste, oder aber über Foren, Chaträume und vor allem Skype (V5). In meinem Wunschschulbuch können Lehrer und Schüler Links zu Foren sammeln, in denen sich Schulen/Klassen untereinander austauschen können und Kontakte zu Klassen in frankophonen Ländern aufgebaut werden können, oder es können Projekte mit Skype oder Chats erstellt werden.

Das sind jetzt nur ein paar Stichpunkte zum Schulbuch, wie ich es gerne hätte. Was sollte eurer Meinung nach ergänzt oder geändert werden?

Edit: Herr Rau hat seine Gedanken zum Lehrbuch als Wiki aufgeschrieben.


Schüleraustausch Le Mans 2011

Sonntag, 25. September 2011

Seit Freitag bin ich von einem Schüleraustausch in der Nähe von Le Mans zurück. War alles ganz aufregend für alle Beteiligten. Schließlich kannten sich die Schüler bisher nur durch E-Mails, Briefe und ggf noch Facebook oder Chats. Und dann ist da ja auch die Sprachbarriere. Aber dann lief alles ganz super, Sprachhindernisse wurden mit Händen und Füßen, Gestik, einer Portion Englisch und viel Lachen überwunden. Mancher deutsche Schüler wollte am Ende gar nicht wieder zurück! Ich zähle jetzt nur kurz auf, was wir mit der Klasse und in der Familie gemacht haben.

Franzosen sind sehr gastfreundlich

Ich war bei einer jungen Familie, deren Tochter mir am zweiten Tag alle ihre gezeichnete Kunstwerke genau beschrieb. Essen gab es reichlich (mit typischem französischen Frühstück), und jedesmal bestand die warme Mahlzeit aus Salat oder einer anderen Vorspeise, dem Hauptgericht, Käse und dann Dessert. Auch wenn wir mittags schon gegessen hatten und abends noch eingeladen waren, wurde wieder ein vollständiges Menü präsentiert. Und beim Essen wurde viel geredet und gelacht. Da wurden Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich diskutiert, aber auch Gemeinsamkeiten gefunden, Scherze gemacht und über die täglichen Erlebnisse mit der Schülergruppe berichtet. Nebenbei: Milka verkauft die 300g-Tafeln nicht in Frankreich, und “Merci”-Pralinen gibt es dort auch nicht.

Le Mans ist nicht nur “24 Stunden”

Le Mans ist echt eine Reise wert. Durch die mittelalterliche Altstadt mit ihren vielen Kunstgeschäften, dem Markt und der Kathedrale Saint-Julien kann man stundenlang laufen, ohne dass einem langweilig wird. Dann kann man noch an der alten Stadtmauer oder entlang der Sarthe laufen, die durch die Stadt fließt. Oder man kann (wie ich an meinem freien Nachmittag) durch die vielen Geschäfte laufen und dabei viel Geld ausgeben. Meine Einkaufstipps sind an dieser Stelle die Chocolaterie und das riesige Medienkaufhaus Fnac. Dass man von Le Mans aus auch ein Stück auf der Rennstrecke der “24 Stunden von Le Mans” fährt, ist eigentlich nur Nebensache.

Franzosen bauen gerne groß

Jeder, der schon einmal in Paris war, weiß, dass “schnell mal zwei Häuser weiter gehen” mehrere 100 Meter bedeuten kann. Trotzdem sind wir viel gelaufen und haben so viele wichtige Stationen der riesigen Stadt besuchen können: Eiffelturm, Bootsfahrt auf der Seine rund um die Île de la Cité, Place de la Concorde, Tuilerien, Louvre, Notre-Dame, Centre Pompidou und der Tour Montparnasse (letzteren mit der Metro). Die Sacré-Coeur besichtigten wir am Abreisetag.

Noch imposanter war am nächsten Tag das Schloss von Versailles. Riesig beschreibt nicht mal im Ansatz das, was ich in dem Augenblick dachte, als ich vor dem ersten Tor stand! Etwas relativiert wurde mein Gedanke, als ich mich im Strom der anderen Besucher durch die Räume des Schlosses, vorbei an unzähligen Bildern, Teppichen, Marie-Antoinettes Schlafgemach, dem Spiegelsaal mit einem Bild vom Abschluss des Vertrags von Versailles und den königlichen Räumen drängte. Nicht alles, was wie Marmor aussieht, ist auch echter Marmor, stattdessen findet man viel entsprechend bemaltes Holz. Dennoch erhält man einen guten Eindruck vom königlichen Leben im Schloss vor der Revolution von 1789.

Und dann der Garten! Wunderschön und noch viel riesiger als es auf Fotos aussieht. Allein dort kann man einen ganzen Tag verbringen und hat wahrscheinlich immer noch nicht alles gesehen. Hinter jeder Hecke kann sich eine neue Statue, ein kleiner Park oder eine neue Fontäne befinden. Natürlich wuchert kein Unkraut, und Hecken und Bäume sind auch keinem Wildwuchs ausgesetzt. Der König wollte sich schließlich nicht langweilen, sondern sich gepflegt amüsieren.

Und außerdem

Und dann war da noch das buddhistische Zentrum, das in einem der umliegenden Schlösser untergebracht war und in einem Meditationsraum eine riesige Buddhastatue stand. Und wir nahmen an zwei Tagen am normalen Schulunterricht teil. Hier konnten die Schüler Unterschiede zu unserem Schulalltag feststellen wie der längere Schultag (bis 16.30, am Mittwoch bis 12 Uhr), Lehrerräume statt (Schüler-)Klassenräume und der damit verbundenen Ausstattung der Räume, der höhere Status der Lehrer (Nebenraum in der Kantine, “Oui, madame/monsieur” als Antwort), das Abgeholtwerden vom Schulhof durch die Lehrer, die Permanence, das schnellere Verteilen der “colle”, d.h. dem Nachsitzen, der Dauer der Schulstunden (55 Minuten statt 45 Minuten), und noch so vieles mehr.

Alles in allem war der Austauch für beide Seiten eine große Bereicherung. Ich freue mich schon sehr auf den Gegenbesuch im nächsten Jahr und hoffe, dass alle Teilnehmer auch viele Eindrücke vermitteln und mitnehmen können.

Häufigkeit des Wortes “riesig” in diesem Text: 5


Frankreich und die AKWs

Montag, 12. September 2011

Heute ist es in Frankreich in einem stillgelegten Kernkraftwerk in der Nähe von Avignon zu einem “Störfall” gekommen. Die Twitter-Meldungen überschlagen sich, die Betreiber melden, es sei keine Strahlung entwichen, die Tagesschau ist da vorsichtiger und hält sich alle Optionen offen gibt die Mitteilung im Konjunktiv wider.
Und dabei hatte man doch vor ein paar Tagen in Frankreich über einen Atomausstieg nachgedacht. Zeit für einen kleinen Überblick über die Kernkraftwerke in Frankreich und Deutschland. Es geht mir dabei nicht um vollständige wissenschaftliche Korrektheit, sondern um einen Eindruck von den Verhältnissen zur Atomenergie in diesen ländern. Daher begnüge ich mich hier mit dem Wikipedia-Artikel “Liste der Kernkraftwerke” als Grundlage.

Weltweit gibt es 212 Kernkraftwerke mit 432 Reaktorblöcken. Davon sind 93 Kernkraftwerke mit 196 Reaktorblöcken in Europa in Betrieb.
Deutschland betreibt 12 Kernkraftwerke mit 17 Reaktorblöcken, Frankreich immerhin 20 Kernkraftwerke mit 59 Reaktorblöcken. Nur die USA betreiben mehr Kernkraftwerke (65 mit 104 Reaktorblöcken). Und auch bei der weltweiten jährlichen Stromerzeugung durch Kernenergie liegt Frankreich an zweiter Stelle.

Bezieht man die Fläche des Landes mit ein, so ergibt das
- für Deutschland 1 KKW je 30.000 km²
- für Frankreich 1 KKW je 27.000 km²
- für die USA 1 KKW je 148.000 km² (wobei sich hier fast alle KKWs auf der Ostseite konzentrieren; wenn man dies berücksichtigt, erhält man 1 KKW je 74.000 km²)

Woraus man deutlich erkennen kann, wie stark sich die Kernkraftwerke in Frankreich ballen.
Gerade deswegen befürworte ich einen Atomaustieg sehr. Vor allem, weil es ja Alternativen gibt, ohne auf Kohlekraftwerke zurückzufallen.


Saint-Malo 2011

Samstag, 30. Juli 2011

Eine Woche lang hat es mich in die Bretagne, nach Saint-Malo, verschlagen. Geplant war, am Strand zu liegen, im Atlantik zu baden, zwischendurch etwas zu essen und gelegentlich den Ort zu besichtigen.

Die Sache mit dem Strand und dem Baden konnten wir knicken. Aber wir waren damit nicht die einzigen, im Fernsehen wurden Hoteliers der gesamten Atlantikküste gezeigt, die aufgrund des schlechten Wetters mit 30% weniger Besuchern rechneten.
Kurz: Das Wetter fing ganz bretonisch mit grauem Himmel an, steigerte sich ab und zu auf einen kleinen Regenschauer, zeigte sich am Nachmittag von seiner blauen Seite und umwehte durchgehend kühl unsere Nasen.

So konnten wir auch unsere Bekleidung alle 5 Minuten zwischen T-Shirt, Pullover und Jacke mit Schal(!) wechseln.

Highlights der Reise:
- Saint-Malo intra-muros: Saint-Malo ist eine Korsarenstadt, und als solche muss man sich gut verteidigen. Den Altstadtkern umringt daher eine Mauer, auf der man ca. 1 Stunde spazierengehen, den Atlantik und ein paar Felsen im Wasser beobachten und Statuen von wichtigen Persönlichkeiten der Stadt (Chateaubriand, Jacques Cartier) sehen kann.
- Essen und Trinken: Neben typisch französischen Getränken wie Orangina (wie Fanta, nur besser!), Kir und Calvados auch bretonisches Bier und Cidre probiert. Gegessen habe ich unter anderem Galette (ein Crêpe aus Buchweizenteig und mit herzhaftem Belag), Muscheln (gibt es dort kiloweise) und einem Apfelkuchen, von dem ich mir leider nicht den Namen notiert habe.
- die Strandpromenade
- die Schoko-Läden in Intra-muros, vor geliertes Obst auf Schokolade kaufen kann.
- Fernsehen auf französisch: “Asterix der Gallier”, “Fort Boyard”, “Pyramide” und “Der Preis ist heiß”. Und eine Szene aus “Harry Potter und der Feuerkelch”, macht den Film aber nicht besser.
- Unterkunft: 2 Zimmer, Garten (mit Hund), und ein richtig tolles Frühstück, unter anderem mit Brioche (frisch getoastet) und Frais de Saint-Malo (gesüßter Frischkäse, ähnlich wie Quark).

Negatives:
- Foie Gras schmeckt nicht.
- Der Mont Saint-Michel ist zwar von weitem gesehen sehr imposant. Wenn man dann allerdings den einzigen Weg, der nach oben führt, durchläuft und nur Touristen vor, neben und hinter sich hat und sich Touristenläden und -restaurants aneinanderreihen, vergeht einem die Lust, sich noch für 8€ pro Person die Abtei anzusehen.

Erkenntnisse:
- Eine Stunde zum Umsteigen vom Gare du Nord zum Gare de Montparnasse ist verdammt wenig Zeit, besonders wenn man sich erst noch in der Taxireihe am Gare du Nord anstellen muss. Mit der Metro ist es aber auch nicht besser, da die Metrostation am Gare de Montparnasse noch etwa 700m vom eigentlichen Bahnhof entfernt ist. Dafür ist dazwischen ein beeindruckendes Metro-Alphabet (Z comme “Zazie dans le métro”) auf der Roll”treppen”strecke.
- “Alle großen Franzosen waren kleine Leute.”
- Merke: “Terrine” bedeutet nicht immer Terrine. In Verbindung mit Foie gras kann es auch “Pastete” heißen.
- Es gibt einen Touripass für 1€ im Office de Tourisme, der bietet allerdings so gut wie nichts umsonst. Aber einige Vergünstigungen, so z.B. ein Tagesticket für den Bus (1 Person 2,50€, 2 Personen 5€).


Pure laine

Montag, 11. Juli 2011

Québec ist Abiturthema in Niedersachsen. Und in Québec spielt auch die Serie “Pure Laine” (2 Staffeln, ingesamt 26 Folgen à 24 Minuten Länge). Darin geht es um eine famille multi-éthnique, die typisch für Québec zu sein scheint: der Vater stammt aus Haiti, die Mutter aus Québec (aber eigentlich von den Inseln vor Kanada), und das adoptierte Kind aus China. Doch der Vater fragt sich in jeder Fole, was eigentlich typisch québécois ist. Etwa vollkommen unterschiedlich zu sein? Oder eine erzwungene Toleranz aufzuweisen? Oder den nahenden Winter nicht zu unterschätzen?

Die erste Folge kann man sich hier anschauen. Aber Achtung: es wird kanadisches Französisch gesprochen!


Kannste googeln, kannste alle Sprachen!

Montag, 13. Juni 2011

Als mein Mann und ich unser Hochzeitsgästebuch durchlasen, kamen wir zu einer Seite, auf der ein Gast etwas auf portugiesisch geschrieben hatte. Da weder mein Mann noch ich portugiesisch können, und ich mit meinen Französisch-, Latein- und Spanischkenntnissen nur Bruchstücke entziffern kann (“nova etapa da vida” -> nouvelle étape de vie, “juntos” -> junto (span.)), musste also eine Übersetzung her.
Den Text gab ich bei Google translate ein und erhielt eine schon recht brauchbare Übersetzung. Zwei Passagen klangen noch etwas holprig, daher übersetzte ich mit dem Online-Wörterbuch von PONS einzelne Wörter. Dadurch fand ich heraus, dass ich zwei Wörter falsch abgelesen hatte und dies nun korrigieren konnte, und dass das Verb “dar” auf deutsch sowohl “geben” als auch “machen” bedeutet.

Ich bin immer noch verblüfft, wie gut Googles Übersetzer mittlerweile geworden ist, dass ich nur noch zwei Ausdrücke mit einem Wörterbuch überprüfen musste. Wie muss es dann Schülern gehen, die in der Oberstufe einen französischen Text lesen? Oder schon in der Mittelstufe? Eigentlich bräuchte ein Schüler doch gar nicht mehr den Text auf französisch lesen. Er scannt den Text ein, kopiert alles in den Google Übersetzer – wenn der Text zu lang wird, nur kapitelweise – und überarbeitet die holprigsten Stellen mit einem Wörterbuch. So kann er den Text auf deutsch lesen und leicht verstehen. Leseverstehen auf französisch wird somit nicht mehr benötigt.

Etwas weiter gedacht kann man ja auch einzelne Sätze vom Deutschen ins Französische (oder in eine beliebige andere Sprache) übersetzen und vorlesen lassen, dann weiß die andere Person, was man eigentlich sagen wollte. Als Tourist, der nicht zu viele komplizierte Sätze benötigt (“Ein Glas Wasser, bitte.”, “Wo geht es zum Strand?”) ist man daher gar nicht mehr auf Englisch-, Französisch- oder Chinesischkenntnisse angewiesen.

Ws mich zu der Frage führt: Brauchen Schüler heutzutage eigentlich noch Fremdsprachenkenntnisse?


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