Aktion „Mehr Bildung in Blogs“

Melanie Unbekannt ruft in ihrem Blog literatenmelu zur Aktion „Mehr Bildung in Blogs“ auf. Darin sollen fünf Fragen zum Thema Bildung beantwortet werden. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich wirklich etwas Interessantes dazu beitragen kann, etwas, das über das übliche „Ein paar gute, ein paar schlechte Lehrer“ hinausgeht. Wenn ich die Antworten anderer lese, komme ich mir richtig unbedeutend vor. Doch staubsaugen ist ja bekanntlich ideenfördernd, und daher denke ich, dass ich jetzt auch antworten kann.

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

An meinen total genialen Physiklehrer. Er war lieb, nett, geduldig, fordernd, nie böse, lächelte immer, er war die Ruhe selbst. Wo er den Raum betrat, ging die Sonne auf. Einmal haben wir zwei LK-Stunden dazu genutzt, mit Hilfe eines neu gekauften Parabolspiegels (der stand da plötzlich im Raum und wir waren neugierig) Wasser zu erhitzen, um ihm daraus einen Cappuccino herzustellen. Das gehörte natürlich nicht zum Oberstufenlehrplan, aber wir durften das trotzdem machen. Seine Begeisterung für sein Fach, insbesondere für Astronomie (eigentlich sein Beruf – er war Seiteneinsteiger), brachte er mit vielen selbsterstellten Fotos laufend mit in den Unterricht.

Dann erinnere ich mich an eine Philosophiestunde im Computerraum. Für mich war es das erste Mal außerhalb des Mathe- und ITG-Unterrichts (InformationsTechnische Grundbildung – Word und ein bisschen Logo) und vor allem das erste Mal im Internet. Das Internet war anno ’97 noch nicht mit der Informationsfülle beladen wie heute. Wenn man da nach „Philosophie“ suchte, bekam man vielleicht 100 Treffer, davon 25 unzugängliche oder gelöschte Seiten, 25 doppelte Seiten, 25 Übersetzungen und der Rest war dann verwertbar, wenn nicht sogar weniger. Es war wohl mehr zum Zeitvertreib unseres Lehrers, dass wir überhaupt ins Internet gingen. Die Aufgabe lautete „Finde etwas über die Aufklärung“ oder ähnlich vage (wir arbeiteten an Kants Text „Was ist Aufklärung?“). Ich saß also das erste Mal vor dem Browser und schielte zum wesentlich erfahreneren Mitschüler rüber, wie er bei Yahoo den Suchbegriff eintippte und sich durch die Ergebnisse klickte. Das wollte ich auch ausprobieren! Das Glücksgefühl, in dieser neuen Welt zu stehen, war unbeschreiblich. Allerdings war ich nach dieser Doppelstunde auch schnell wieder ernüchtert. Die Auswertung ergab ca. 40 Übersetzungen von Kants Text, vielleicht  2 oder 3 Zusatzinformationen und mehrere Foren und Newsgroups, zu denen wir keinen Zugang hatten. Das war also das Internet. Viel Buntes und wenig Informatives. An  Letzterem hat sich gottseidank einiges geändert.
 

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Die üblichen Bücher, Arbeitsblätter (ich weiß nicht, ob dabei noch Matrizen waren), Tafeln, Folien (auf denen wir nie schreiben durften, nur der Lehrer; außerdem gabs pro  Gebäude nur einen OHP, also selten Folien), Videos und Filmspulen (in Biologie), Kassettenrekorder (mit dem treffsicheren Spulen der Fremdsprachenlehrer), sowohl im  Klassenraum als im Sprachlabor, den PC mit Internet (s.o.), das Whiteboard im Informatikraum, deutsche und französische Zeitungen im Französischunterricht (Fußball-WM  98…), diverse Theaterbesuche (Hamlet, Cabaret, 5 pièces de Maupassant, Der kaukasische Kreidekreis [auf frz.!]).

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Ich träume davon, dass man die Pädagogik-Lehrenden der Uni im Unterricht sieht, sie also in der Praxis erlebt. Dieser Unterricht wird dann von den Studierenden mit Hilfe des  Lehrenden ausgewertet. Da das aber flächendeckend nicht durchführbar ist, wünsche ich mir, dass wenigstens die Lehramtsstudenten nicht nur in Praktika, sondern  semesterbegleitend (z.B. ein Tag wöchentlich) im Unterricht hospitieren und selbst unterrichten. Dazu gibt es an der Uni Module zum Schulrecht und zur Organisation des  Lehreralltags mit fiktiven Lehrer-Schüler/-Eltern-Gesprächen, Hausaufgaben-vergessen-Reaktionen, Papierkram, Klassenreisenplanung und Entspannungsübungen. Ich glaube, ich fange schon wieder an zu träumen 😉

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Je nachdem, wie sie eingestetzt werden. Wenn sie nur benutzt werden, damit der Lehrer von sich behaupten kann, dass er toll ist, weil er mit den Schülern am PC sitzt, dann  sind sie völlig unnötig. Wenn z.B. Blogs so verwendet werden, weils gerade toll aussieht und in Mode ist, am PC zu schreiben, dann ist das zwar ein Fortschritt, aber immer noch zu hinterfragen. Sinnvoll werden sie erst, wenn man damit Sachen macht, die man vorher nicht machen konnte, z.B. Blogartikel als Hausaufgabe kommentieren, weil man die  Kommentare sofort lesen und der nächste dazu antworten kann. Der erste kann wiederum auf die Antwort reagieren usw. Die Auseinandersetzung mit der Fragestellung kann  sich dadurch lebhafter als in der (zeitlich und räumlich) begrenzten Unterrichtsstunde gestalten.
 

5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Schwer zu sagen. Sinnvoll ergänzen können sie sicherlich, ersetzen können sie mit der momentan zur Verfügung stehenden Technik nicht. Dazu lassen sich manche  Zusammenhänge einfach nicht im Text oder als fertiges Bild erklären, sondern die Schritt-für-Schritt-Entwicklung, das Erklären beim Schreiben/Zeichnen/Vormachen selbst, die  Flexibilität und der Augenkontakt sind nötig, um manche Dinge zu genauer zu erfassen. Im Video/Chat/Forum können schnell Missverständnisse entstehen, die erstmal beseitigt werden müssen, und das nimmt viel Zeit in Anspruch.
Dagegen kann dies in direktem Kontakt in ein paar Minuten erledigt sein.

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One Response to Aktion „Mehr Bildung in Blogs“

  1. […] mehreren Blogs (z.B. hier, hier, hier und hier) sind mit die Antworten auf die auf die Blogaktion “Mehr Bildung in Blogs” aufgefallen […]

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