Selbsteinschätzungsbogen

„Ich habe das Thema nicht verstanden, können Sie mir alles nochmal
erklären?“
„Was genau verstehst du denn nicht?“
„Na, alles!“

Die Zeit der Klassenarbeiten (und damit der unfreien, aber sehr rotstiftlastigen Zeit) bricht wieder an. Für mich bedeutet das eine besondere Planung des Unterrichts, wenn ich alle Arbeiten VOR den Ferien zurückgeben möchte (nie wieder werde ich drei Klassenarbeitsstapel mit in die Ferien nehmen!). Im Augenblick probiere ich dafür sehr viele Selbsteinschätzungsbögen aus. Das sind Zettel, auf denen ich das Thema und das Ziel einer Kurzeinheit formuliere. Darauf folgt eine Tabelle mit den erwarteten Fertigkeiten und Fähigkeiten, die die Schüler im Laufe dieser Einheit beherrschen sollten. Die Schüler schätzen sich dann selbst ein, wie gut sie diese erreicht haben. Dazu gibt es von mir zu jeder Fertigkeit und Fähigkeit einige Aufgaben, wobei die Schüler gelegentlich aus mehreren Aufgaben wählen können. Sollten sie dann noch etwas Übung benötigen, so können sie auch die anderen Aufgaben machen. Um mir die Arbeit zu erleichtern, wähle ich momentan viele Aufgaben aus dem Buch und dem Begleitmaterial. Perfekt (i.e. referendar-like) wäre es natürlich, zu jeder Fertigkeit/Fähigkeit speziell angefertigtes Material bereitszustellen, auf mehreren Niveaus, und einer Lernreflexion in Form eines Tagebuchs o.ä. So begnüge ich mich jetzt noch damit, dass die Schüler sich ihrer speziellen Knackpunkte bewusst werden und dazu Fragen stellen können, statt dass sie in der letzten Stunde sagen, „Ich habe das Thema nicht verstanden, können Sie mir alles nochmal erklären?“

Nun setze ich die Selbsteinschätzungsbögen (was die Schüler erreicht haben sollten) für Klassenarbeiten etwa drei bis vier Stunden vor der Klassenarbeit ein, so dass genug Zeit zum Bearbeiten der Aufgaben, aber auch zum Fragen bleibt. Hausaufgaben gibt es genau genommen kein, denn die Vorbereitung auf die Klassenarbeit ist ja durch die Bögen abgedeckt. Trotzdem gebe ich den Schülern eine Orientierung, indem ich dann eine Aufgabe stelle wie „Arbeite so mit dem Zettel, dass du in der nächsten Stunde höchstens noch zwei Aufgaben machen musst.“, damit sie zeitlich nicht unter Druck geraten.

Selbsteinschätzungsbögen für den normalen Unterricht (was die Schüler erreichen sollen) sind eine Erleichterung, wenn eine Stationenarbeit zu aufwändig ist, aber nicht von Buchdeckel zu Buchdeckel gearbeitet werden soll. Damit können die Schüler die Übungsphase selbst in die Hand nehmen: man gibt eine Einführung in das Thema, z.B. erarbeitet man gemeinsam die Grundbegriffe zum Distributivgesetz, und stellt dann den Schülern eine Übersicht der zu erreichenden Ziele mit den Aufgaben zur Verfügung. Die Schüler können dann die Reihenfolge und teilweise die Aufgaben selbst wählen.

Hier ein paar Beispiele:

Beispiel 1: Einen Brief schreiben und dabei über Vergangenes berichten (Klasse 7, Découvertes Cadet 2 Leçon 1)

Beispiel 2: Mit Hilfe des Distributivgesetzes Terme umformen und Bilder mathematisch beschreiben (Klasse 8)

Beispiel 3: Vorbereitung auf eine Klassenarbeit zu Brüchen

Wie regelmäßig und über welche Zeitdauer setzt ihr solche Bögen ein?

8 Antworten zu Selbsteinschätzungsbogen

  1. Julius sagt:

    Mich würde ja sehr interessieren, wie ein solcher Bogen für Französisch aussieht. Arbeiten die Schülerinnen und Schüler hier häufiger zu zweit, um kommunikative Situationen zu meistern?

  2. Kai sagt:

    Ich habe das mal vor ein paar Monaten vor einer Deutschklausur ausprobiert und den Schülern dann angeboten, für ihre Schwachpunkte noch mal Material zu erstellen.
    Das Ergebnis war, dass 2/3 pauschal ankreuzten, sie wollten alles noch mal üben … da war dann wieder das „Na, alles!“.

    • ixsi sagt:

      Gerade durch die Aufgaben konnten sich meine S. gut einschätzen, weil sie mit jedem Stichpunkt ein Bild davon machen konnten, was von ihnen verlangt wird.
      Statt noch mehr Material bereitzustellen, habe ich in den Bögen nur Teile einer Aufgabe vorgegeben, so dass diejenigen, die noch Übung benötigen, den Rest der Aufgabe bearbeiten können.

  3. Julius sagt:

    Ich habe mir das französische Beispiel gründlich angeschaut und werde hier einfach mal meine Anmerkungen los.

    Überschrift »Arbeitsplan«: Hier wäre vielleicht noch eine Ergänzung der jeweiligen Lektion überlegenswert.

    Ziel: Ich finde es sehr gut, dass als Ziel eine zu erreichende Kompetenz formuliert wird.

    Einleitender Text: Ich finde den Text etwas missverständlich. Es wäre gut, wenn gesagt wird, dass man sich zuerst selbst einschätzen soll und dann in den Bereichen, in denen man Probleme hat, die Aufgaben lösen sollte. Zwar wird genau dieses Vorgehen sicherlich im Unterricht erläutert und auch so eingeübt, aber eine schriftliche Verbalisierung machte das Ganze noch runder.

    In dem einführenden Text wird auch von »Mindestanforderungen« gesprochen. Heißt das, dass man eine Vier hat, wenn man gerade so diese Aufgaben lösen kann?

    Zum Abschluss gibt es noch zwei Zusatzaufgaben. Da mir weder Buch noch CDA vorliegen, ist unklar, auf welche der in der Tabelle genannten Teilkompetenzen sich diese beziehen. Vielleicht wäre auch hier eine Ergänzung hilfreich.

    Zusammenfassend möchte ich feststellen: Eine nachahmenswerte Sache!

  4. […] von »Schwamm drüber!« hat vor einigen Tagen über Selbsteinschätzungsbögen geschrieben, die sie im Unterricht zur Klassenarbeitsvorbereitung […]

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