Wozu braucht man das?

Wo sich der Halbtagsblog und Hokey damit beschäftigen, greife ich die Frage jetzt auch mal auf.
Ich schreibe hier nicht über den leichten Anflug von Panik, der mich erwischt, wenn ich an der Reihe bin, das Protokoll zur Lehrerkonferenz zu verfassen, weil wir im Deutschunterricht nur Aufsätze schreiben mussten.

Viel lieber schreibe ich darüber, wie die Mathematik meine Faulheit in manchen Dingen unterstützt.

Kopfrechnen zuum Beispiel. Damt kann man 7.-Klässler vergraulen. Normalerweise nimmt man ja auch den Taschenrechner. Vor allem, weil man sich dann ja auch mit den richtigen Problemen und den Argumenten beschäftigen kann, sagt der Didaktiker. Blöd nur, sage ich, wenn ich auf der Couch sitze und rechne und der Taschenrechner sich in meinem Arbeitszimmer befindet. Zum Aufstehen bin ich zu faul, also wird die Nebenrechnung auf die Rückseite des Zettels geschmiert oder die Wurzel bis auf eine Nachkommastelle im Kopf überschlagen.

Trigonometrie ist auch so eine Richtung, die mir entgegenkommt. Als Student lebte ich in einer Dachwohnung mit ganz toller Dachschräge. Eines Tages wollte ich in meiner Küche ein Brett anbauen, auf dem meine Mikrowelle stehen sollte. Ort des Bretts: so hoch wie möglich über dem Herd, rechts begrenzt durch einen Hängeschrank, links durch die Dachschräge. Als Messwerkzeug stand mir ein Zollstock zur Verfügung, der aber in der Höhe, wo ich das Brett möglichst anbringen wollte, sich nicht mehr vernünftig ausklappen ließ. Wäre ich an dem Tag voller Tatendrang gewesen, wäre ich zum nächsten Baumarkt gefahren und hätte mir ein Maßband gekauft, dann hätte ich das Band genau anlegen können und ich hätte das Brett nach diesen Maßen angebaut. Aber so war ich ja nicht. Deswegen wurde an zwei erreichbaren Stellen die Breite des Wandstückes mit dem Zollstock gemessen, damit der Winkel der Dachschräge (oder nur die Steigung, weiß ich nicht mehr so genau) berechnet und daraus wiederum die Höhe berechnet, in der das Brett noch hängen konnte. Und exakt zwei Dübel und zwei Schrauben später hing das Brett an der gewünschten Position.

Was das Nullstellenproblem angeht: das ist für mich nur eine Reduzierung der verschiedenen Gleichungstypen, d.h. jede Gleichung lässt sich als Suche nach Nullstellen umschreiben. Ob sie jemals für einen wichtig werden, darüber erlaube ich mir kein Urteil. Schließlich halte ich auch die Lektüre von Emilia Galotti für vergeudete Zeit, möchte aber Dürrenmatts „Physiker“ auf keinen Fall mehr missen. Aber was werde ich dazu in 10 Jahren sagen?

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2 Responses to Wozu braucht man das?

  1. Maik Riecken sagt:

    Extremwertberechnung brauchst du z.B. spätestens bei der Hausfinanzierung wieder.
    Ein Term beschreibt dir das insgesamt zurückzuzahlende Kapital an die Bank. Ein anderer Term beschreibt dir die Höhe deiner monatlichen Rate.
    Es gibt ein Optimum, das dir einen halben Kleinwagen finanziert – je nach Beratungsqualität der Bank, die solche Überlegungen natürlich deswegen nicht anstellt, um den Kunde nicht durch „schwer verständliche Mathematik“ zu überfordern (ich hatte eher den Eindruck, dass mein Berater nichts von Zinsformeln verstand und im Gespräch völlig überfordert war). Die hatten bei mir echt nur Programme, mit denen sie Wertepaare eingeben konnten.
    Zuhause habe ich dann die Sache mit der Analysis wieder herausgekramt und hatte in zwei Stunden mein Excelsheet, was dem Bankkaufmann man die Wertepaare lieferte, damit er das in sein Verkaufsprogramm eintragen konnte.
    Ansonsten habe ich das nicht wieder gebraucht – aber das war’s schon wert – danke, Herr Petersen!

  2. sjgriebel sagt:

    Weil Numb3rs dann mehr Spaß macht. 😉

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