Ein Papierblog erstellen

Samstag, 23. Juni 2012

Die Idee zu einem Papierblog hatte ich durch den Blog „The inspired classroom„. Dort findet man auch auch ein Bild von einem Klassenblog aus Papier.

Im Unterschied dazu soll es in meinem Französischkurs ein Blog je Gruppe geben, auf dem jeder seine Artikel schreibt. Um zu prüfen, ob das überhaupt möglich ist oder ob ich mir da zu viel überlegt habe, habe ich heute ein Papierblog so gebastelt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Blog habe ich so aufgebaut, wie ich es auf „The inspired classroom“ gefunden hatte. Die Artikel werden auf bunten DIN A5-Blättern geschrieben und aufgeklebt. Darüber und darunter stehen die üblichen Blogpost-Angaben wie Überschrift, Autorenname, Veröffentlichungsdatum und Tags.

Hier das Material:

Mein erster Artikel beinhaltet die Blog-Vokabeln, in den weiteren Artikeln schreibe ich die Aufgaben. Dadurch brauche ich die Aufgaben nicht kopieren, sie sind ja (fast) jederzeit für die Schüler zugänglich. Wenn es Schwierigkeiten gibt, die außerhalb unseres Unterrichts auftreten (während des Unterrichts können sie ja mich fragen), können die Schüler einen Kommentar auf einem Klebezettel hinterlassen. Auf diese Art und Weise möchte ich auch am Ende ein Feedback sammeln.

So könnte ein Papierblog also aussehen:


Ein Papierblog

Freitag, 22. Juni 2012

Für meine nächste und letzte Unterrichtseinheit in Französisch sollen die Schüler ein Märchen aus verschiedenen Perspektiven schreiben. Drei bis vier Schüler bilden eine Gruppe, die gemeinsam die Geschichte entwirft, jeder schreibt jedoch die Geschichte aus seiner (Rollen-)Sicht. Die Geschichte wird auf einem Papierblog (un blog en papier) gesammelt. Gegenüber einem digitalen Blog hat dies den Vorteil, dass diese den bekannten Plakaten entsprechen und ich keine Erlaubnis der Eltern benötige. Anders als bei den Plakaten steht hier auch die Entwicklung der Geschichte und ihre Kommentierung mit im Vordergrund.

Material:

– Flipchartpapier als Hintergrund, der kreativ gestaltet werden kann

– buntes Papier, auf A5 geschnitten, für die Artikel

– Klebezettel für die Kommentare

– Tesafilm, um alles zu befestigen

 

Am Wochenende fertige ich mein Papierblog an, auf dem alles Organisatorische (Vokabeln, Aufgaben, Beispielartikel,…) zu finden ist. Daran werde ich auch die Blogvokabeln erklären:

der/die/das Blog – le blog (= un journal de bord sur le web)

der Blogger, die Bloggerin – le blogueur, la blogueuse

der Blogtitel – le titre du blog

der Blogpost – l’article (m.)

der Post-Titel – le titre de l’article

der Autorenname – le nom de l’auteur

das Erscheinungsdatum – la date de parution

die Sidebar – la barre latérale

die Blogroll – la blogoliste

der Kommentar – le commentaire

der Link – le lien

der Tag (=Stichwort) – le mot-clé

der Icon – l’icône (f.)

das Bild – l’image (f.)


Frankreich und die Schule

Samstag, 19. Mai 2012

Spiegel Online titelte heute: „Sozialisten in Frankreich planen 5-Tage-Woche für Schüler – Minister will Schülern freien Tag schenken“. Der spendable Politiker heißt Vincent Peillon, ist selbst Lehrer und wurde diese Woche von François Hollande zum französischen Bildungsminister ernannt.

Eine 5-Tage-Woche klingt zunächst typisch deutsch, ist sie aber nicht. Zur französischen Schulwoche gehört nämlich überlicherweise der Samstag dazu. Der normale Schultag eines Achtklässlers besteht aus vier langen Tagen mit Unterricht von 8 bis 17 Uhr, das entspricht 7 Unterrichtsstunden à 55 Minuten, und einem kurzen Tag, üblicherweise Mittwoch oder Samstag, mit Unterricht von 8 bis 12 Uhr, das entspricht 4 Stunden Unterricht. Darin enthalten sind allerdings auch mehrere Stunden sog. permanence, d.h. freies Arbeiten unter Aufsicht eines pion (das ist meist ein Student, der sich so ein paar Euros verdient, also nicht unbedingt eine pädagogische Fachkraft).

Aber auch an den Grundschulen, den écoles primaires, ist Nachmittagsunterricht in Frankreich nicht ungewöhnlich. Seit hier die 4-Tage-Woche gilt (seit 2008), haben französische Grundschüler montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr Unterricht, mit zwei Stunden Mittagspause. Davor hatten sie jeden Samstag einen halben Tag Unterricht. An dem Nachmittagsunterricht setzt Peillon an. Denn lernpsychologisch ist ein geballter Unterricht nicht gut, gleichmäßig über die Woche verteilter Unterricht wäre besser. Daher setzt er sich für die 5-Tage-Woche ein. Doch er will es den Schulen überlassen, ob dafür der Mittwoch oder der Samstag Vormittag genutzt wird. Überzeugend soll auch das Argument sein, dass französische Schüler nur an 144 Tagen im Jahr Unterricht haben, alle anderen Länder mindestens 40 Tage mehr.

Nun ja, das zweite Argument folgt aus dem ersten: bei 144 Unterrichtstagen im Jahr haben die Schüler 144:4=36 Wochen Unterricht. Ein deutscher Schüler kommt bei 6 Wochen Sommer-, je 2 Wochen Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsferien und diversen Feiertagen auf etwa 13 Wochen Ferien und damit auf 39 Wochen Unterrichtswochen. Damit ist kein allzu großer Unterschied erkennbar. Achja, Pieillon möchte zusätzlich noch zwei Wochen Sommerferien streichen, dadurch hätte ein französischer Schüler 38 Wochen Unterricht. Folglich hat ein französischer Schüler gleich viel Unterricht, nur an weniger Tagen.

Doch viele Eltern sind mit der 5-Tage-Woche nicht einverstanden. In den letzten Jahren konnten sie die Wochenenden ungestört mit ihren Kindern verbringen. Der Mittwoch konnte für Hobbys genutzt werden. Auch Scheidungskinder profitierten von dem freien Tag, da sie dafür das Wochenende für das andere Elternteil zur Verfügung hatten. Und wenn die Grundschüler etwas früher Schluss haben, wer betreut sie dann, bis die Eltern von der Arbeit zurückkommen?

Von der anderen Seite betrachtet, welcher deutsche Grundschüler könnte sich vorstellen, jeden Tag bis 16.30 Uhr in der Schule zu bleiben, um danach noch Hausaufgaben zu machen, nur um einen freien Tag in der Woche zu haben? Und würden deutsche Lehrer dann den Mittwoch als Fortbildungs- und Konferenztag nutzen?


Tests des Auswärtigen Amts

Mittwoch, 28. März 2012

Das Auswärtige Amt bietet zur Vorbereitung auf die Bewerbung auf einen Beruf im Auswärtigen Dienst einige Tests aus früheren Auswahlverfahren an. Da kann man seine Kenntnisse zu Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch) testen, sein Allgemeinwissen überprüfen und sein Wissen über politische und rechtliche Kenntnisse bewerten lassen.

Die Sprachentests bestehen aus Lückentexten zum Vokabular und zur Grammatik. Beispielsweise geht es in Französisch um Fragewörter, Präpositionen, Konjugation und Pronomen.

Für den mittleren Dienst: (nur Englisch; mit Leseverstehen)

Für den gehobenen Dienst: (tw. mit Leseverstehen und Übersetzung)

Für den höheren Dienst: (tw. mit Übersetzung)

Für den höheren Dienst müssen auch Fachprüfungen in den Bereichen Allgemeinwissen, Völker-/Europa-/Staatsrecht, Geschichte und Politik sowie Wirtschaft abgelegt werden. Ein Lösungsbogen befindet sich ebenfalls auf der Seite. Zu den Sprachtests fehlen leider die Lösungen.

Ich finde die Aufgaben nicht besonders leicht für Schüler. Zu den Fachprüfungen würde ich daher die Schüler mit Hilfe des Internets arbeiten lassen, bei den Sprachprüfungen auch mit einem Wörterbuch, damit sie die Tests als Heraus- und nicht als Überforderung sehen.


Louis XIV, Molière, Lully

Sonntag, 4. März 2012

Welche französischen Musikstücke sollte man kennen? 1. Les Champs-Elysées, 2. La Marseillaise, 3. Marche pour la Cérémonie des Turcs. Warum den Marsch? Er verknüpft drei Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts mit einer Geschichte:

Louis XIV empfing eines Tages einen türkischen Gesandten. Diesem bot er alles Spektakuläre, das teuerste Essen, die prachtvollsten Schmuckstücke und die zuvorkommendste Höflichkeit an, die er als absolutistischer Monarch bringen konnte. Doch der türkische Gesandte schien wenig beeindruckt zu sein. Dies erzürnte den Sonnenkönig sehr – wer wagte es da bloß, dem größten aller Herrscher so wenig Achtung entgegenzubringen? Es stellte sich (allerdings erst nach einiger Zeit) zufällig heraus, dass der Gesandte nicht wie erwartet der türkische Botschafter war, sondern nur ein niederer Mann, der um die Erlassung von Schulden bitten wollte. Um der Schmach, einem Mann von niederem Stand die Ehren eines Botschafters entgegengebracht zu haben, zu entkommen, bat er Jean-Baptiste Molière (der zu der Zeit noch in der Gunst des Königs stand), ein Stück zu schreiben, in dem sich über den Türken lustig gemacht wird. So entstand das Stück „Le bourgeois Gentilhomme“, in dem ein Mann sich für einen hohen Adligen hält, über den sich aber alle anderen lustig machen. Die Musik für das Stück schrieb Jean-Baptiste Lully (man kann Le bourgeois Gentilhomme als eine Art Musical des 17. Jahrhunderts ansehen). Insbesondere der Marche pour la Cérémonie des Turcs ist eine Veralberung des Türkengeschichte. Einen guten Eindruck dieser Szene bietet der Film „Le Roi danse“ aus dem Jahre 2000.

Dieser Marsch diente mir einer kurzen Einführung in Molières Leben, um meinen Französischkurs auf ein Marionettenspiel des Théâtre Anima vorzubereiten, in dem verschiedene Stück von Molière zu einem neuen zusammengesetzt wurden. (Obligatorisch darin: der geizige Stiefvater, die versuchte Zwangsheirat des eigenen Kindes, die versuchte eigene Heirat mit einem jungen Mädchen und das gute Ende, dass die wahre Liebe siegt.) Die Marionetten (eigentlich Halbkörpermasken) wurden dabei nur von einer einzigen Frau gespielt, die teilweise Französisch, teilweise deutsch sprach, jede Marionette mit einer anderen Stimme. Jede Rolle war so stark übertrieben, dass man einfach lachen musste! Wahnsinn!


Sarkozy und die Lehrer

Donnerstag, 1. März 2012

Sarkozy geht im Wahlkampf um die Präsidentschaft gegen die Lehrer los. Er schlägt vor, dass Lehrer, die freiwillig 26 statt 18 Stunden arbeiten unterrichten, 25% mehr Gehalt bekommen sollen. Da könnte ja der deutsche Lehrer sagen, dass es endlich Gerechtigkeit in der Unterichtsverteilung gibt, der ja auch 23 und mehr Stunden unterrichtet.

Die Sache hat aber zwei Haken:

  1. 8 Stunden mehr unterrichten entspricht einer Erhöhung der Unterrichtsstundenzahl um 44,4%, also deutlich über der Gehaltserhöhung.
  2. Eine französische Unterrichtsstunde entspricht 55 Minuten, eine deutsche nur 45 Minuten. Ein französischer Lehrer mit einer Unterrichtsverpflichtung von 18 Stunden unterrichtet also 990 Minuten, ein deutscher Gymnasiallehrer in Niedersachsen bei einer Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Stunden 1057,5 Minuten, d.h. gerade mal eine Stunde mehr. Die Erhöhung um 8 französische Unterrichtsstunden entspricht übrigens einer Erhöhung um fast 10 deutsche Unterrichtsstunden.

Traurig, wenn das Bild vom faulen Lehrer, der nur ein bisschen unterrichtet, in den Wahlkampf hineingetragen wird.


Das wärs doch!

Sonntag, 6. November 2011

Nach den Meldungen über den geplanten (und unverschämten) Einsatz eines umgangssprachlich genannten „Schultrojaners“ wird bei twitter über neue Schulbücher diskutiert, die frei verfügbar und unter CC-Lizenz stehen und vor allem unabhängig von den Verlagen sind. Hier folgen nun meine stichpunkartigen Gedanken dazu, wie ein richtig gutes digitales (Französisch-)Schulbuch aussehen könnte.

Ein paar Voraussetzungen:
V1. Die Seh-/Lese-/Hör-/Hörsehverstehenskompetenzen werden gefördert.
V2. Das Buch muss aktuell gehalten werden.
V3. Das Buch ist von Lehrern und Schülern erweiterbar.
V4. Das Buch ist für alle Betriebssysteme verfügbar.
V5. Das Buch ermöglicht Kontakte in frankophone Länder.

Der Aufbau des Buches:
Aus (V1) folgt zunächst, dass das Buch vollständig ist. Das heißt, dass Lesetexte, Aufgaben, Zusatzmaterialien, Hör-/Filmversion des Lesetextes, Hörverstehensaufgaben, Hörsehverstehensaufgaben, Diktattexte, Vokabelverzeichnis, Konjugationstrainer etc. in einer einzigen App aufzufinden sind. Damit hat ist das gesamte Material jederzeit zugänglich und kann bei Bedarf vor Ort eingesetzt werden.

Alle Lektionen sind modular, sie bauen also nicht zwingend aufeinander auf. Texte sind in mehreren Schwierigkeitsstufen vorhanden (nach Länge, Anzahl der neuen Vokabeln etc. unterschieden), so dass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene sich an einem Text üben können. In jedem Text ist jedes Wort als Vokabel anklickbar und kann auf Wunsch in die persönliche Vokabelliste übernommen werden. Auf diese Weise können auch vergessene Vokabeln wieder einen Weg in die Lernkartei finden.

Vokabeln sind demnach nicht mehr an bestimmte Texte gebunden, die für die Jugendlichen kaum realistisch sind. (Mengenvokabeln werden in einem Text verpackt, der davon handelt, dass Jugendliche auf den Markt gehen… gibt es in Frankreich etwa keine Supermärkte?) Thematischer Wortschatz kann auch in einfachen Dialogübungen eingeführt werden (z.B. Haustiere: Magst du Hunde/Katzen/Hamster/…? Ja/Nein,…)

Aus der Fülle an Übungen können Schüler und Lehrer die nötigen Aufgaben auswählen, je nachdem, was gefördert weren soll. Es entstehen so individuelle Lernpläne, deren erreichen nicht durch Klassenarbeiten, sondern durch Lerntagebücher, individuelle Lernkontrollen und Portfolios überprüft wird.

(V2) gewährleistet die Aktualität der Texte, des Wortschatzes, der Filmclips und der Tonaufnahmen. Ein „Walkman“ ist für einen 14-Jährigen ein Fremdwort, unter „mp3“ geht gar nichts. Durch die digitale Vorlage können die Texte schnell geändert werden. Ebenso können Währungsumstellungen übernommen oder der Name eines neuen Regierungsoberhauptes übertragen werden. Den Jugendlichen können so auch Einblicke in die wirkliche Jugendsprache des anderen Landes gewährt werden, und das nicht erst, wenn ein Prüfungsdurchlauf von 4 Jahren im Verlag durchgeführt wurde.

Aufgrund von (V3) kann das Schulbuch auch den Interessen der Schüler und Lehrer (ja, auch uns!) angepasst werden: Habe ich viele Sportler in der Klasse oder hängen die meisten eher an der X-Box rum? Wer war schon mal wo in Frankreich oder einem anderen frankophonen Land? Hat die Schule Kontakte nach Frankreich? Wie kann sich das im Schulbuch wiederfinden?

In (V4) schwingt die technische Offenheit mit. Die Schulbuchverlage gehen davon aus, dass Windows als Betriebssystem installiert ist. Viele Lehrer und Schüler arbeiten aber auch mit Macs, d.h. iOS, manche auch mit Linux/Ubuntu/etc. Auch die Verfügbarkeit auf iPod/iPad oder Smartphones sollte so gewährleistet sein.

In Schulbüchern erfährt man etwas über Frankreich, wenn man bestimmte Internetseiten besucht oder an einem Schüleraustausch oder an Ferienprpjekten teilnimmt. Was mir besonders in den aktuellen Französischlehrwerken fehlt, sind Hinweise zu Frankreichkontakten von Deutschland aus, sei es über E-Mail-Dienste, oder aber über Foren, Chaträume und vor allem Skype (V5). In meinem Wunschschulbuch können Lehrer und Schüler Links zu Foren sammeln, in denen sich Schulen/Klassen untereinander austauschen können und Kontakte zu Klassen in frankophonen Ländern aufgebaut werden können, oder es können Projekte mit Skype oder Chats erstellt werden.

Das sind jetzt nur ein paar Stichpunkte zum Schulbuch, wie ich es gerne hätte. Was sollte eurer Meinung nach ergänzt oder geändert werden?

Edit: Herr Rau hat seine Gedanken zum Lehrbuch als Wiki aufgeschrieben.


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