Histoires pressées

Freitag, 25. Dezember 2009

Pünktlich zu den Ferien trudelten zwei französische Bücher ins Haus, die ich schon seit längerem lesen wollte: „Histoires pressées“ und „Encore des histoires minute“ von Bernard Friot. Der Titel der Bücher verweist auf die Länge der Geschichten: Kürzestgeschichten, gerade so lang, dass man sie in einer kurzen Schulpause oder einer Minute schaffen kann. Wegen ihrer Kürze, aber auch ihrer einfachen Sprache (die Bücher wenden sich an 9-10jährige Franzosen) und dem raffinierten Stil eignen sie sich sehr für den Unterrichtseinsatz, besonders als Einstieg in Originaltexte oder für Klassenarbeiten. Themen sind u.a. Schule („Silence“), Angst („La chose“), eigene Identität („Il ou elle“). Dabei vermischen sich Realität und Fantasie sehr häufig, so dass plötzlich ein Floh mit einem Haar spricht oder eine Antilope einen Tiger frisst, was zu möglichen Fortsetzungen oder ähnlichen Geschichten durch Schüler reizt. Die Bücher kosten jeweils 6,99€, was meiner Meinung nach ein sehr guter Preis ist.
Meinen Vokabelblog werde ich dank dieser Bücher auch wieder aktiver nutzen. Schaut doch mal vorbei!

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Leserolle

Sonntag, 6. Dezember 2009

Miriam erwähnte eine Leserolle bei twitter. Was ist das denn, fragte ich mich, und suchte bei google nach einer Antwort. Eine Leserolle ist eine Rolle (z.B. Keks- oder Chipsdose), in der Texte und Material zu einem Buch gesammelt werden, alles was darin Platz findet. Sie stellt eine Vorstufe des Portfolios dar. Einerseits werden darin die Ergebnisse der eigenen Lektüre festgehalten, andererseits soll die Gestaltung der Dose und des Inhalts zukünftige Leser anlocken. Ich finde, dass die Leserolle eine tolle Abwechslung zu den üblicherweise geführten Mappen darstellt. Daher möchte ich sie gerne bei einer der nächsten Fremdsprachenlektüren ausprobieren. Hat jemand von euch schon Erfahrung damit gesammelt? Der einzige Nachteil, den ich bisher entdeckt habe, ist, dass ich jetzt viel Chips und Kekse essen muss…


Interpretationssache

Mittwoch, 20. Mai 2009

Mein Freund schwärmt von „Lost“. Ich kann seine Freude nicht teilen, wenn wieder eine neue Folge ausgestrahlt wird. Schuld ist mein Englischlehrer. Und das Buch „Lord of the Flies“. Es begann alles ganz harmlos. Bis zur 12. Klasse hatten wir einen Lehrer, der zwar eine sehr eigene Meinung zu Lektüren hatte (i.e. Schülerwünsche zählten nicht), aber der verschiedene Meinungen zu den ausgewählten Büchern, häufig recht aktuelle Lektüre (Buddha of Suburbia, The hundred secret senses), gelten ließ.
Dann geschah das praktisch Unmögliche: Ausgerechnet zum letzten Schuljahr lagen alle drei Stunden des GK Englisch am Montag in den ersten drei Stunden einschließlich Frühstunde (!) und wir bekamen einen anderen Lehrer. Dieser wählte Lord of the Flies als für uns geeignete Lektüre aus.
Ich konnte mich schon nicht inhaltlich mit dem Buch anfreunden. Da landet eine Gruppe Jungs auf einer einsamen Insel und schafft es nicht, friedlich miteinander zu leben. Meine Meinung war damals: Wären Mädchen dabei gewesen, wäre das nicht passiert.
Wie dem auch sei, wir schrieben über dieses Buch eine Klausur. Eine Frage lautete in etwa: Was dachte sich der Autor, als er dieses Buch geschrieben hat? Ich verkniff mir eine Antwort der Form „Kann ich Gedanken lesen?“ und schrieb eine in meinen Augen treffende historische Interpretation. Ich war richtig zufrieden mit meinem Text. Um es kurz zu fassen, ich bekam für diese Aufgabe 0 Punkte. Der Kommentar lautete, ich hätte nicht die Interpretation geschrieben, die wir im Unterricht erarbeitet hatten. Ich war sauer, fand das Buch jetzt noch viel doofer als ich es ohnehin schon tat und arbeitete für das Fach ab da nicht mehr als nötig. Seitdem sind Strandungen auf einsamen Inseln ganz unten auf meiner Liste.

Aber es besteht noch Hoffnung, dass ich dieses Trauma irgendwann einmal überwinden werde. Wie mein Musiklehrer es beinahe geschafft hat, mir „Die Moldau“ zu verleiden, davon erzähle ich ein andermal. Es hat Jahre gedauert, bis ich das Stück wieder hören mochte. Aber inzwischen mag ich das Stück auf meine Art ganz gerne hören. Auch hier lag es an einer falschen (!) Interpretation.

An der Uni wurde im ersten Literaturseminar die Frage diskutiert, ob es die Interpretation gibt. Natürlich gibt es sie nicht, sie kann nur gut begründet sein. Ich fühlte mich zum ersten Mal richtig verstanden. Nicht dass ich generell etwas gegen Interpretationen habe, oder gegen Schullektüren.

Es gab da ja auch die guten Tipps. Heinrich Manns „Professor Unrat“ zum Beispiel. Oder Dürrenmatts Physiker (ich liebe dieses Stück!). Oder Hamlet. Eben jene Bücher, deren Inhalt durch vorsichtiges Herantasten an eine Interpretation umso interessanter wurde, nicht durch Aufstülpen einer vorgesetzten Interpretation. Das sind die Bücher, die ich jetzt hin und wieder gerne lese (oder zumindest einen besonderen Abschnitt daraus).

Aber ist es nicht erschreckend, dass ein Lehrer durch sein Verhalten ein Buch schlecht machen kann, obwohl das Buch möglicherweise gar nichts dafür kann? Du blätterst seine Seiten um, du schaust in sein Innerstes, es widerspricht dir nicht. Aber nur weil jemand dir sagt, dass du es nicht richtig verstehst, entwickelst du eine gewisse Abneigung zu diesem Buch, du magst es nicht mehr ansehen, geschweige denn in die Hand nehmen. Und es liegt einfach nur da in deinem Regal und bleibt stumm.

Irgendwann werde ich dich wieder lesen, Lord of the Flies. Ganz bestimmt!


Je t’écris, j’écris

Donnerstag, 7. August 2008

Nein, es handelt sich bei diesem Titel um eine Grammtikübung, sondern um ein Buch der Autorin Geva Caban.
Die Handlung ist kurz erzählt: Ein Mädchen schreibt in den Ferien, die sie mit ihren Eltern am Strand verbringt, jeden Tag einen Brief an einen Jungen, den sie liebt. Nur leider antwortet er ihr nicht, so dass sie beginnt, ein Tagebuch zu führen.

Das Buch ist sehr kurzweilig, weil zum einen die Briefe sehr kurz sind und sich auf den ersten 50 (von insgesamt 80) Seiten, die von den Briefen handeln, auf jeder zweiten Seite eine ganzseitige Illustration befindet. Zum andern ist es in einer noch ziemlich kindlichen Sprache geschrieben, die Sätze sind kurz, das Vokabular einfach. Geschrieben ist das Buch in der Ich-Form. Daher ist das Buch für (francophone) Kinder ab 9 Jahren empfohlen. Für den Französischunterricht eignet sich meiner Meinung nach das Buch ab Ende des 3. Lernjahres. Von der Grammatik her sollten das futur simple und das conditionnel I schon bekannt sein. Als Wortschatzthemen seien les vacances, ecrire une lettre/un article pour le journal intime und l’amour genannt. Der große Vorteil dieser Lektüre ist aber immer noch die Kürze, so dass man (und hier meine ich vor allem den Französischlernenden) relativ schnell ein ganzes Buch im Original erfolgreich gemeistert hat.

Geva Caban. Je t’écris, j’écris. Editions Gallimard Jeunesse 1995. ca. 6,50 EUR (amazon.fr)

Nachtrag: In der FUF 24 (1996) „Längere Texte – Langeweile?“ wird das Buch im Basisartikel aufgegriffen und es werden Beispiele für Aufgaben für eine schwache 11. Klasse vorgestellt. (Nebenbei bemerkt finde ich den gesamten Basisartikel sehr lesenswert, weil er sehr viele praktische Beispiele enthält, wie man Textarbeit interessant gestalten kann.)


Theater

Freitag, 4. Januar 2008

Demnächst sehe ich mir im Theater das Stück „Huis clos“ von J.P. Sartre auf französisch an. Kenne den Inhalt noch nicht, werde aber vorher das Stück entweder auf deutsch oder auf französisch lesen, damit ich mehr vom Abend hab.

Nachtrag: Die Aufführung hat mir gefallen, auch wenn Garcin meiner Meinung nach einen etwas zu deutschen Akzent hatte und der Garcon fehlte, der die drei Personen in die Hölle führte. Aber interessant war das Stück trotzdem.
Im nächsten Jahr läuft übrigens Voltaires „Candide“. Meine Vorbereitung läuft schon.


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